Kumite – Hand in Hand mit dem Gegner

(von Marc Janott, Juni 2015, überarbeitet Juni 2016)

Teil 7 von 8: Kihon Kumite

Viele Karate-Verbände verlangen die eine oder andere Art des Kihon-Kumite als Teil ihrer Graduierungsprüfungen.

Kihon-Kumite ist eine formalisierte und standardisierte From der Partnerarbeit, bei der sowohl der Angreifer als auch der Verteidiger grundlegende Karate-Techniken einsetzen.

Der Begriff Kihon-Kumite umfasst u.a. folgende Formen:

  • Gohon-Kumite (5-Schritt-Übungskampf),
  • Sanbon-Kumite (3-Schritt-Übungskampf),
  • Kihon-Ippon-Kumite (Grundlegener Ein-Punkt-Übungskampf),
  • Kaeshi-Ippon-Kumite (Hin- und zurück-gehender Ein-Punkt-Übungskampf),
  • Jiyu-Ippon-Kumite (Freier Ein-Punkt-Übungskampf),
  • und unter Umständen auch Jiyu-Kumite (Freier Übungskampf).

Die Entwicklung dieser Art des Kumite begann in den 1930er Jahren in den Karate-Vereinen an den japanischen Universitäten. Sie wurden von verschiedenen Dojos und Verbänden aufgegriffen und auch in ihre Graduierungsanforderungen übernommen. Die Verbreitung der inzwischen allgemein üblichen Formen geht insbesondere auf die JKA zurück.

Historisch sind der 3-Schritt-Übungskampf und der Grundlegende Ein-Punkt-Übungskampf wahrscheinlich aus Einflüssen aus Judo und Kendo hervorgegangen, in denen wir ähnliche Übungsformen sehen, die dort allerdings Kata genannt werden (vergleiche https://de.wikipedia.org/wiki/Kata_(Jūdō) oder https://de.wikipedia.org/wiki/Kendō#Kata_.28Form.29 ).

Ebenso wie die grundlegenden Techniken (Kihon) im Karate wurden auch die Kihon-Kumite-Formen über die Jahre systematisiert, formalisiert und stilisiert.

Der generelle Ablauf ist wie folgt: Während der Angreifer einen Schritt vorwärts geht, geht der Verteidiger einen Schritt rückwärts und blockt den Angriff. Abschließend antwortet der Verteidiger mit einer Konter-Technik, dabei verharrt der Angreifer in seiner Angriffsposition.

Heutzutage werden üblicherweise nur einige wenige vorgeschriebene Techniken für Angriff und Verteidigung genutzt (hauptsächlich Oi-Zuki und Mae-Geri für die Angriffe und Age-Uke, Soto-Ude-Uke, Gedan-Nagashi-Uke in Kombination mit Gyaku-Zuki zur Verteidigung). Das Jiyu-Ippon-Kumite kann noch einige weitere Techniken beinhalten.

Im Jiyu-Kumite steht es Angreifer und Verteidiger frei, ihre Techniken zu wählen ohne sie ankündigen zu müssen. Falls Jiyu-Kumite im beide Partner angreifen dürfen, wird es oft Randori (ungeordnetes Angreifen) genannt.

Randori oder Jiyu-Kumite ähneln in gewisser Weise dem Wettkampf-Kumite, aber das Ziel ist dabei nicht der Punktesieg, sondern das Lernen mit dem Partner.

Die anderen Formen des Kihon-Kumite haben einen mehr choreographiertes Format, üblicherweise mit Techniken aus langer Distanz. Somit haben sie mehr mit Kata-Wettkampf-Bunkai gemeinsam.

Doch so verbreitet die Kihon-Kumite-Formen auch geübt werden: Sie bereiten den Übenden nicht wirklich auf eine der beiden Wettkampf-Disziplinen vor, zumindest nicht mit der üblichen Auswahl der Techniken.

Ebensowenig nützen sie, in ihrer aktuellen Form, für Kata-Oyo, ganz zu schweigen von Selbstverteidigung.

Die Kihon-Kumite-Formen haben also ein gewisses Eigenleben als Partnerübungen für Graduierungen entwickelt.

Das Trainingsziel des Kihon-Kumite ist daher das Bestehen der nächsten Graduierungsprüfung oder schlicht, das Meistern der Form als spielerische, partnerschaftliche Kihon-Übung an sich.